Marketing für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ist vor allem ruhige, verständliche Information: eine Website, die Ansatz, Ablauf, Kosten und Erreichbarkeit sachlich erklärt, ein sauber gepflegter Eintrag bei Google und ein Erstkontakt, der Hemmschwellen senkt, ohne Daten unnötig zu erheben. Anpreisende Werbung, Heilversprechen und Patientengeschichten passen weder zum Berufsrecht noch zur Situation der Menschen, die Sie suchen. Dieser Text ersetzt keine Rechtsberatung; maßgeblich ist die Berufsordnung Ihrer Landeskammer.
Eine besondere Ausgangslage: Menschen suchen leise
Wer eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten sucht, tut das selten spontan. Oft sind Wochen des Zögerns vorausgegangen. Die Suche läuft diskret, meist abends, am Smartphone, mit Fragen wie „Therapeut in meiner Nähe“, „Psychotherapie Kosten“ oder „Wie läuft das erste Gespräch ab?“. Marketing in diesem Feld bedeutet deshalb nicht, möglichst laut zu sein, sondern auffindbar, verständlich und vertrauenswürdig.
Gleichzeitig sind viele Praxen ausgelastet. Dann geht es weniger um mehr Anfragen als um passende: Anfragen, die zu Ihrem Verfahren, Ihrer Altersgruppe und Ihrer Kapazität passen, und um einen Ablauf, der Ihr Team nicht überfordert. Wir klären deshalb zuerst:
- Welche Verfahren, Altersgruppen und Anliegen bieten Sie an, und welche nicht?
- Wie ist die Kapazität: freie Plätze, Warteliste oder Aufnahmestopp?
- Wie wird der Erstkontakt abgewickelt: Telefon, Anrufbeantworter, Formular, Terminsprechstunde?
- Welche Informationen sollen vor dem ersten Gespräch öffentlich stehen: Kosten, Ablauf, Schweigepflicht?
- Wer in der Praxis pflegt Website und Profil dauerhaft?
Berufsordnung: Rahmen für alles, was öffentlich steht
Die Muster-Berufsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer (Stand der veröffentlichten Fassung: Änderung vom 15. November 2025) ist die Grundlage der Berufsordnungen der Landeskammern. Nach der Muster-Berufsordnung der BPtK ist Werbung erlaubt, soll sich aber auf sachliche Information beschränken; anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung ist unzulässig (§ 23 Abs. 3). Für die Internetpräsenz verweist § 23 Abs. 4 auf die gesetzlichen Vorgaben, insbesondere zum Digitale-Dienste-Gesetz. Qualifikationen und Tätigkeitsschwerpunkte dürfen angegeben werden, wenn das angemessen und nicht irreführend ist; Schwerpunkte müssen als solche gekennzeichnet sein (§ 2 Abs. 4). Zudem sollen fachliche Äußerungen in der Öffentlichkeit sachlich und wissenschaftlich fundiert sein, irreführende Heilungsversprechen sind untersagt (§ 3 Abs. 7).
Für die Praxis lässt sich das in einer einfachen Prüfliste übersetzen. Verbindlich ist immer die Berufsordnung Ihrer Kammer; bei Zweifeln fragen Sie dort nach.
| Formulierung oder Maßnahme | Einschätzung | Besser |
|---|---|---|
| „Ich heile Ihre Ängste“ | Heilversprechen, nicht zulässig | „Ich begleite Menschen bei …“ plus sachliche Beschreibung des Verfahrens |
| „Die beste Praxis der Stadt“ | Anpreisend und vergleichend | Qualifikation, Verfahren und Schwerpunkte nennen |
| Zitierte Patientengeschichten | Schweigepflicht und Berufsethos berührt | Allgemeine, anonyme Informationen zu Abläufen |
| Vorher-Nachher-Erzählungen | Irreführend, wecken Erfolgserwartung | Nicht verwenden |
| Tätigkeitsschwerpunkt „Traumafolgen“ | Zulässig, wenn zutreffend und als Schwerpunkt gekennzeichnet | Qualifikation belegen und Schwerpunkt als solchen benennen |
| Rabatt für Erstgespräche | Honorar- und Wettbewerbsfragen | Honorarregelung nur nach Rücksprache mit der Kammer |
Auch das Heilmittelwerbegesetz kann je nach Aussage einschlägig sein, wenn Behandlungen beworben werden. Eine verständliche Einführung gibt unser Beitrag zum Heilmittelwerbegesetz im Praxismarketing; er ersetzt aber keine Beratung durch Kammer oder Fachanwalt.
Die Website als ruhiger Erstkontakt
Die Website ist in der Psychotherapie meist der erste echte Berührungspunkt. Sie muss nicht beeindrucken, sondern Fragen beantworten, bevor sie gestellt werden. Wir empfehlen für die Struktur eine überschaubare Zahl von Seiten:
- Startseite: wer Sie sind, welche Verfahren und Altersgruppen Sie anbieten, wie Sie erreichbar sind und ob aktuell Plätze frei sind.
- Über mich: Qualifikation, Approbation, Verfahren und Haltung in nüchternen Worten, mit einem professionellen Foto.
- Ablauf: vom ersten Kontakt über die probatorischen Sitzungen bis zum Antrag, so weit er für Ihr Setting zutrifft.
- Kosten: Kassen-, Privat- oder Selbstzahlerregelung, Ausfallhonorar. Die Muster-Berufsordnung verlangt, Honorarfragen zu Beginn zu klären (§ 14).
- Schweigepflicht und Datenschutz: eine kurze, verständliche Erklärung, wie mit Daten umgegangen wird.
- Kontakt: mehrere Wege, auch ohne Telefon: Rückrufwunsch, Formular, E-Mail.
- Hilfe in Krisen: ein deutlicher Hinweis, dass die Praxis kein Krisendienst ist, und wohin man sich im Notfall wenden kann.
Die technische und gestalterische Umsetzung finden Sie unter Website-Leistungen; die praxisspezifischen Details, etwa Leistungsseiten und Navigation, gelten ähnlich wie bei Webdesign für Arztpraxen. Eine Prüfliste für Pflichtangaben und Aufbau enthält der Beitrag Checkliste für die Website einer Arztpraxis; sie lässt sich für psychotherapeutische Praxen anpassen.
Tonalität: so klingt eine gute Psychotherapie-Website
Wir schreiben in kurzen, klaren Sätzen. Fachbegriffe werden erklärt, nicht vermieden. Die Sprache bleibt neutral: weder verharmlosend noch dramatisierend. Statt „Sie sind nicht allein, ich helfe Ihnen sofort“ besser: „In einem ersten Gespräch klären wir, ob eine Therapie bei mir passend ist und welche Möglichkeiten es gibt.“ Das nimmt Druck heraus und bleibt sachlich.
Passt der Ton Ihrer Website zu Ihrer Praxis?
Senden Sie uns den Link Ihrer Seite. Wir sehen sie mit den Augen einer suchenden Person an und nennen, was Orientierung gibt und was Hürden schafft.
Lokale Auffindbarkeit ohne Aufdringlichkeit
Die meisten Menschen suchen in der Nähe ihres Wohnorts. Deshalb zählt die lokale Sichtbarkeit. Zentral ist das Google-Unternehmensprofil mit korrekten Angaben zu Adresse, Sprechzeiten, Erreichbarkeit und barrierefreiem Zugang, soweit zutreffend. Hinweise zum Aufbau finden Sie im Beitrag Google-Unternehmensprofil optimieren. Wer die Seite zusätzlich über die organische Suche stärken möchte, findet den Rahmen in unserer SEO-Betreuung; die Besonderheiten bei ärztlichen Websites behandelt SEO für Ärzte.
| Baustein | Wirkung | Vorsicht in der Psychotherapie |
|---|---|---|
| Google-Unternehmensprofil | Auffindbarkeit auf Karte und Suche | Keine Patientenstimmen bewerben; Schweigepflicht auch bei Antworten wahren |
| Eigene Leistungs- und Verfahrensseiten | Treffer bei konkreten Suchen | Sachlich beschreiben, keine Wirkversprechen |
| Verzeichniseinträge (Kammer, Berufsverbände) | Zusätzliche Fundstellen | Nach § 23 Abs. 5 nur ankündigungsfähige Angaben und gleiche Kriterien für alle |
| Bezahlte Anzeigen | Schnelle Sichtbarkeit bei freien Plätzen | Nur mit klarer Kapazität und ohne Remarketing auf Besucher sensibler Seiten |
| Social Media | Bekanntheit und Einblicke | Eher zurückhaltend; keine Patientendarstellung |
Bewertungen: besonders sensibel
Bei Psychotherapeuten raten wir in der Regel davon ab, Patientinnen und Patienten aktiv um Bewertungen zu bitten. Das Behandlungsverhältnis ist vertraulich, die Schweigepflicht gilt nach der Muster-Berufsordnung über das Behandlungsverhältnis hinaus (§ 8 Abs. 1). Schon die Bestätigung, dass jemand Patient ist, kann sie berühren. Antworten auf eingehende Bewertungen sollten deshalb allgemein bleiben und keine Aussagen über eine Behandlung enthalten. Wie Bewertungen in anderen Heilberufen gehandhabt werden, zeigt der Beitrag Google-Bewertungen in Arztpraxen; die Übertragung auf die Psychotherapie sollten Sie mit Ihrer Kammer besprechen.
Erstkontakt: Wege, die Hemmschwellen senken
Zwischen Website-Besuch und Anfrage liegt oft die größte Hürde. Gute Erstkontakt-Wege sind einfach, diskret und ehrlich bei der Erwartung. Die folgende Entscheidungshilfe hilft bei der Wahl:
| Kontaktweg | Geeignet, wenn … | Zu beachten |
|---|---|---|
| Telefon mit Sprechzeiten | Sie telefonisch gut erreichbar sind | Anrufbeantworter mit klarem Rückrufversprechen nur dann, wenn Sie es einhalten |
| Rückrufformular | Menschen nicht anrufen möchten | Nur Name, Telefonnummer oder E-Mail und optionaler Zeitwunsch; kein Freitextfeld für Beschwerden |
| Sie ein gesichertes Postfach nutzen | Hinweis auf unverschlüsselte E-Mail, keine Gesundheitsdaten verlangen | |
| Terminbuchung online | Sie ein festes Erstgespräch-Raster haben | Anbieter datenschutzrechtlich prüfen, Auftragsverarbeitung klären |
| Nur für organisatorische Fragen | Keine Inhalte zu Beschwerden oder Diagnosen zulassen |
Wartezeiten sollten Sie offen nennen. Eine ehrliche Aussage („Aktuell keine freien Plätze, Warteliste möglich“) schützt Suchende vor wiederholten Absagen und Ihr Team vor Rückfragen. Wie Online-Termine in Praxen gedacht werden, beschreibt der Beitrag Online-Terminbuchung für Arztpraxen.
Datenschutz: das Fundament, nicht das Beiwerk
Gesundheitsdaten gehören nach Art. 9 DSGVO zu den besonders geschützten Datenkategorien. Schon der Satz „Ich suche Hilfe bei Depression“ in einem Kontaktformular kann ein solches Datum sein. Für Praxis-Websites bedeutet das:
- Formulare so gestalten, dass sie keine Beschwerden abfragen.
- Einwilligungspflichtige Dienste (z. B. Analyse, Karten, Videos) nur nach Einwilligung laden.
- Auf Remarketing und Zielgruppenlisten verzichten, die Besucher von Psychotherapie-Seiten markieren.
- Mit Dienstleistern (Hosting, Terminsoftware, E-Mail) Verträge zur Auftragsverarbeitung abschließen.
- Datenschutzerklärung und Impressum aktuell halten und mit den tatsächlich verwendeten Diensten abgleichen.
- Die Muster-Berufsordnung verlangt, Daten gegen unbefugten Zugriff zu schützen (§ 10); das gilt auch für Web-Dienste.
Wir beraten zur technischen Seite, übernehmen aber keine datenschutzrechtliche Beratung. Klären Sie die Konfiguration mit Ihrer oder Ihrem Datenschutzbeauftragten. Wie wir Messung trotzdem sinnvoll gestalten, beschreibt die Seite Conversion-Tracking: Wir messen vor allem anonymisierte Klicks auf Telefon, Kontaktbutton und Formular, nicht Inhalte von Anfragen.
Anzeigen: nur mit Kapazität und mit Augenmaß
Bezahlte Anzeigen können sinnvoll sein, wenn Sie freie Plätze haben oder eine neue Praxis eröffnen. In einer ausgelasteten Praxis erzeugen sie vor allem Absagen. Die Faustregel: erst Website und Profil, dann Anzeigen. Eine Einführung bietet die Google-Ads-Betreuung; branchenübergreifende Hinweise zur Abwägung enthält der Beitrag SEO oder Google Ads. Anzeigentexte bleiben neutral: Leistung, Ort, Erreichbarkeit, keine Erfolgs- oder Heilaussagen.
Kennzahlen, die ehrlich bleiben
- Kontaktaufnahmen über Telefon, Formular und E-Mail je Monat.
- Anteil der Anfragen, die zu Ihrem Angebot passen.
- Aufrufe der Seiten zu Ablauf, Kosten und Kontakt.
- Anrufe und Routenanfragen aus dem Google-Profil.
- Dauer bis zur Antwort auf Anfragen (intern gemessen).
Die Zahlen sollen helfen, Maßnahmen zu steuern, nicht Patienten zu zählen. Ein hypothetisches Beispiel: Wenn die Seite „Ablauf“ im Monat 80-mal aufgerufen wird und danach 10 Kontaktaufnahmen entstehen, ist die Quote 12,5 %. Verbessert sich die Seite verständlich und die Quote steigt bei gleichem Besuchsaufkommen, haben Sie eine Richtung. Die Zahlen sind angenommen und kein Versprechen.
Typische Fehler
- Zu viel Versprechen: Wirksamkeits- und Heilaussagen.
- Zu wenig Information: keine Angaben zu Ablauf, Kosten und Plätzen.
- Formulare, die zu viel abfragen: Gesundheitsdaten in Freitextfeldern.
- Tracking ohne Einwilligung: Analyse- und Werbedienste, die vor dem Zustimmen laden.
- Veraltete Angaben: falsche Sprechzeiten oder Aufnahmestopp, der nicht vermerkt ist.
- Stockfotos mit Klischees: verzweifelte Gesichter und Silhouetten statt ruhiger, neutraler Bilder.
So arbeiten wir bei ZED
ZED ist eine Remote-Agentur ohne Büro im DACH-Raum; wir betreuen Praxen und Unternehmen per WhatsApp und Telefon. Unsere Grundsätze stehen auf der Seite Über ZED Marketing: Ergebnis vor Optik, die Website als Teil des Systems, Inhalte, die Vertrauen schaffen. Für Psychotherapeuten arbeiten wir besonders zurückhaltend:
- Gespräch zur Praxis: Verfahren, Kapazität, Erstkontakt, Datenschutzkonzept.
- Fundament: Website mit Ablauf, Kosten und Kontakt; Google-Profil; Tracking ohne Gesundheitsdaten.
- Sichtbarkeit: lokale Suchmaschinenoptimierung, bei freien Plätzen gezielte, neutrale Anzeigen.
- Pflege: Anpassung bei Änderungen von Plätzen, Sprechzeiten oder Verfahren.
Wir versprechen keine bestimmte Zahl an Anfragen und kein Ranking. Einen Einblick in unsere Arbeit mit Heilberufen bietet die Fallstudie zu medizinischem Marketing und Physiotherapie; weitere Informationen finden Sie unter Medizinisches Marketing.
Fragen, die Psychotherapeuten uns häufig stellen
Dürfen Psychotherapeuten Werbung machen?
Ja, aber sachlich. Nach der Muster-Berufsordnung der BPtK ist Werbung erlaubt, soll sich aber auf sachliche Information beschränken; anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung ist unzulässig. Maßgeblich ist die Berufsordnung Ihrer Landeskammer.
Was gehört auf die Website einer Psychotherapiepraxis?
Qualifikation und Verfahren, Altersgruppen, Ablauf, Kosten, Erreichbarkeit, Hinweis zu Schweigepflicht und Datenschutz, ein Hinweis auf Krisenhilfe sowie vollständige Pflichtangaben. Ergänzend sind Angaben zu freien Plätzen oder Wartelisten hilfreich.
Wie wird eine Praxis lokal bei Google gefunden?
Mit einem vollständigen Google-Unternehmensprofil, einer klaren Website mit Verfahrens- und Ortsbezug und korrekten Verzeichniseinträgen. Ein bestimmtes Ranking können wir nicht zusagen.
Dürfen Patienten um Bewertungen gebeten werden?
Das ist in der Psychotherapie heikel, weil das Behandlungsverhältnis der Schweigepflicht unterliegt. Wir raten in der Regel davon ab, aktiv um Bewertungen zu bitten, und empfehlen, das mit der Landeskammer zu klären.
Wie sollte der Erstkontakt gestaltet sein?
Einfach und diskret: Telefon mit klaren Sprechzeiten, ein Rückrufformular ohne Freitext zu Beschwerden und ehrliche Angaben zu Wartezeiten. Gesundheitsdaten sollten nicht über ungeschützte Kanäle abgefragt werden.
Lohnen sich Google-Anzeigen für Psychotherapeuten?
Nur, wenn tatsächlich Kapazität vorhanden ist. Anzeigen bleiben neutral, ohne Heil- oder Erfolgsaussagen, und Remarketing auf sensible Seiten sollte vermieden werden. Zuerst sollten Website und Profil stimmen.
Was kostet Marketing für eine Psychotherapiepraxis?
Das hängt vom Umfang ab: Website, Profilpflege, SEO, Anzeigen. Wir nennen keine Pauschalpreise ohne Bestandsaufnahme. Schreiben Sie uns per WhatsApp, dann erhalten Sie ein konkretes Angebot.
Marketing, das zu Ihrer Haltung passt
Erzählen Sie uns, wie Ihre Praxis arbeitet und was Sie öffentlich zeigen möchten. Wir schlagen vor, was sinnvoll ist, und lassen weg, was nicht passt.
Unverbindlich auf WhatsApp schreiben Anrufen: 01097079170